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HP Photosmart 5515 druckt kein schwarz mehr – Sollbruchstelle?

Meine Schwester bekam kürzlich von einem Nachbarn einen HP Photosmart 5515 geschenkt. Neue, originale HP 364-Patronen eingesetzt, einwandfreier Zustand, nur eine kleine Macke: er druckt kein Schwarz mehr. Mit einem Druckerexperten in der Familie sollte das doch kein Problem sein. Wurde es aber – und hat mich vom HP-Fan zum absoluten Gegner gemacht.

Druckerreinigung – kein Problem wenn der Druckkopf entnehmbar ist

HP 364 DruckerpatronenDer HP Photosmart 5515 nutzt vier einzelne Tintentanks der Serie 364, und besitzt einen – theoretisch – herausnehmbaren, separaten Druckkopf. Das ist erstmal ein großer Vorteil, denn so ist man nicht auf die geräteeigenen Reinigungsmöglichkeiten angewiesen, sondern kann den Druckkopf entnehmen, und gründlich reinigen. Warum das sinnvoller ist, als sich auf die automatische Druckerreinigung zu verlassen, dazu mehr auf der – von mir gepflegten – Tonerdumping-Hilfeseite zum Thema Druckerreinigung.

Zur Reinigung setze ich seit Jahren auf Düsenreiniger. Bevor ich 2013 bei der Firma TONERDUMPING angeheuert habe, war heißes, destilliertes Wasser mein Lieblings-Reinigungsmittel für verschmutzte Druckköpfe. Seit ich jedoch unseren »Düsi« kenne, kommt mir nichts anderes mehr ins Haus. Eine Mischung aus Isopropylalkohol und ein paar weiteren Ingredienzien säubert in der Regel selbst hoffnungslos verdreckte Druckköpfe. ich greife mal vor: beim Photosmart 5515 konnte auch der Düsenreiniger nichts ausrichten.

Übrigens: statt Düsi kann man auch Isopropanol kaufen – aber meine persönliche Empfehlung bleibt der Düsi.

Wie geht denn nun der Druckkopf raus?

Wer sich ein wenig mit Druckern auskennt, der erkennt sofort, dass es sich beim Druckkopf im Photosmart 5515 um ein entnehmbares Bauteil handelt. Wer sich ein wenig mit räumlichem Denken auskennt, dem fällt ebenso schnell auf, dass die Ingenieure bei HP entweder ein untaugliches CAD-Programm nutzen, oder aber einfach um jeden Preis verhindern wollen, dass der Anwender den Druckkopf tatsächlich herausnimmt.

Sobald man die HP 364-Druckerpatronen entnommen hat, kann man den Druckkopf durch etwas festeres zusammendrücken der Seitenwände aus seiner Verankerung lösen. Und dann ein paar Millimeter bewegen, bis man an die obere Druckerabdeckung stößt. Nach kurzem nachdenken wird einem klar, dass man nicht etwa zu blöde ist, den Druckkopf zu entnehmen, sondern, dass das ohne Demontage des oberen Gehäuseteils schlicht nicht möglich ist.

Gewalt ist keine Lösung: der Druckkopf fährt Amok

Da ich das vermeiden wollte, hatte ich im ersten Anlauf mit ein wenig Rohheit versucht das Gehäuse so weit zu dehnen, das der Druckkopf irgendwie raus zu bekommen ist. Blöde Idee, zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie die HP-Ingenieure sich ihre Langeweile vertreiben. Das Ergebnis war, dass der Druckkopf aus der Positionserkennung gerutscht ist, und danach klang, als würden statt bedruckter Blätter gleich fertig gepresste VW Golf-Türen in der Papierausgabe landen.

Der Photosmart 5515 gibt seinen Druckkopf nur sehr ungern her

photosmart_5515_druckkopf_2Es half also alles nichts: da ich immer noch darauf hoffte, mit einer gründlichen Reinigung wieder schwarze Tinte fließen zu lassen, wurde der Drucker auseinander genommen.

Zum Vorschein kam ein sehr interessant befestigter Druckkopf.Zwei starke Federn halten diesen in Position. Der Vorteil dieser Konstruktion: … keine Ahnung. Dazu Flachkabel, die sich nur mit dem Risiko einer verstauchten Hand oder einer psychotischen Episode wieder in Ihre Aufnahmen basteln lassen. Service- und Wartungsfreundlich? Nein – eher klar auf wirtschaftliche Totalschäden beim kleinsten Fehler ausgerichtet.

Der Druckkopf selbst wurde dann mit Unmengen von Düsenreiniger traktiert. Gründlichst gereinigt, über Nacht ausgiebig getrocknet, und am nächsten Tag wieder eingesetzt.

Tada: neuwertiges Druckbild – und weiter kein Schwarz

Photosmart DruckkopfNachdem die Tücken des Zusammenbaus bewältigt waren – ich bin mir relativ sicher, dass die HP-Ingenieure enormen Spaß bei der Entwicklung haben … – und der Drucker sich auch mit allem zufrieden zeigte, keine Fehlermeldungen ausgab etc. ging es in den Test.

Da der Druckkopf gereinigt wurde, wurde zusätzlich nochmal die interne Druckerreinigung in Gang gesetzt, um eventuelle Rückstände von Düsenreiniger aus dem System zu spülen.

Ergebnis, nach mehreren Durchläufen der Druckerreinigung: die Farben sahen aus wie bei einem ladenneuen Gerät. Schwarz gibt es aber weiterhin keins.

Geheimes Supportmenü – letzte Hoffung

Die letzte Hoffnung war nun ein Druckerreset. Den kann man als Endanwender normalerweise nicht durchführen, das entsprechende Supportmenü lässt sich nur durch eine Kombination von Tastendrücken auf dem Touchscreen aufrufen. Der Gedanke hinter dem Druckerreset war einfach jener, dass womöglich ein interner Zählen – wie bei manch anderem Gerät – für das fehlende Schwarz verantwortlich ist, und sich dieser Zähler so nullen lässt.

Aber auch das half nicht – weiter kein schwarz.

»Photosmart 5515 druckt nach Ablauf der Garantie kein Schwarz mehr« – ich bin nicht allein

Natürlich hatte ich vorab schon mal einen Blick ins Netz geworfen, weil mir der plötzliche Ausfall der schwarzen Düsen etwas merkwürdig erschien. Verschmutzungsbedingte Ausfälle treten meist schleichend ein.

resetsIn der Tat fanden sich unzählige Einträge in Internetforen zum Thema. Photosmart 5515 die zwar knackig bunte Farben drucken, sich aber beharrlich weigern auch nur einen Spritzer schwarzer Tinte auf das Papier zu zaubern sind wohl eher die Regel als die Ausnahme. Und ausweislich vieler Beiträge taucht dieses Problem wohl gerne relativ kurz nach Ablauf der Garantiezeit auf .

Ich bin kein Freund von schwurbeligen Verschwörungstheorien, glaube nicht, dass HP in den Chemtrails die uns die Illuminaten aus Bielefeld an den Himmel tackern, linksdrehende Ionen unterbringt, die auf Drucker herabregnen und diese lahmlegen. Nur: bei einer solch massiven Häufung, glaube ich auch nicht mehr an Zufälle. Und wenn das nach so kurzer Zeit passiert, statt bei einem alten Drucker wie meinem Pixma IP4200 – ja, 2013 starben die schwarzen Düsen meines IP 4200 einen mysteriösen Tod – , dann sehe ich da auch keine Anzeichen für altersüblichen Verschleiß.

Planned Obsolescence – deutliche Hinweise

Wenn also bei einem Druckermodell eine massive Häufung eines schwer nachvollzieh- oder erklärbaren Fehlers vorliegt, der selbiges für den Endanwender unbrauchbar macht, dann liegt hier schon ein gewisser unangenehmer Geruch in der Luft. Eine Reparatur ist in diesem Fall unwirtschaftlich, allein der konstruktionsbedingt enorme Arbeitsaufwand für den Techniker, kombiniert mit den Kosten für einen neuen Druckkopf, sorgen für Kosten weit über denen für die Anschaffung eines neuen Druckers.

Nur: wie kann man bei HP bei einem so eindeutig heraufbeschworenen umsatzverträglichen Frühableben denn ernsthaft darauf hoffen, dass man so Kunden hält? Sieht man sich z.B. die Rezensionen bei Amazon an, ist der Tenor eindeutig: nie wieder HP.

Das gilt bei mir jetzt auch. Dabei habe ich meine persönliche Tintenstrahlerhistorie mit einem unkaputtbaren HP DeskJet 500 begonnen, mit einem 690C fortgesetzt, diese Geräte x-fach weiterempfohlen und durch regelrechte Generalüberholungen immer wieder zu Top-Druckergebnissen getrieben. Nun aber ist das Kapitel HP in Sachen Drucker für mich abgeschlossen. Und das nur wegen eines offensichtlichen Konstruktionsfehlers, oder eines bewusst eingebauten Verfallsdatums. Hätte nicht sein müssen HP … jetzt schaue ich halt mal nach einem günstigen Canon Pixma für meine Schwester in unserem Sortiment.

 

 

 

 

 

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